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Stevia – eine unendliche Geschichte?

15 Dez, 2011 Politik und Medien
Stevia – eine unendliche Geschichte?

Stevia, die unendliche Geschichte

Die Geschichte von Stevia schwelt bereits seit vielen Jahren vor sich hin und kommt seit über 100 Jahren nur schleppend voran. Die Blätter der südamerikanischen Pflanze Stevia (“Stevia rebaudiana”) sind so süß, dass sie herkömmlichen Zucker problemlos ersetzen können. Sie sind ein natürliches hochgesundes Süßungswunder und könnten die Gesundheitsprobleme der modernen Zivilisation spielend lindern, wenn nicht ….. Es sind noch einige Ungereimtheiten aus dem Weg zu räumen, bevor die Geschichte von Stevia endgültig zu einem Happy End kommen kann.

Doch seit Dezember 2011 hat sich immerhin etwas bewegt, in Sachen Stevia und in Sachen „Süßen, aber gesund!“. Die deutschen Gesundheitsbehörden haben im Dezember Stevia als Süßstoff mit einem Grenzwert bis zu einer Tagesdosis von 4 Milligramm pro Kilo Körpergewicht zugelassen. Süßen ohne Reue ist dadurch zu einem realistischen Ziel geworden: Der neue Steviasüßstoff  hat keine Kalorien, ist für Zähne sogar sehr gesund, ebenso für ein gesundes Herz und gesunden Blutdruck und ist frei von den ungesunden Nebenwirkungen des normalen Haushaltszuckers.

Stevia, die süß schmeckende Pflanze stammt aus Südamerika. Ihre Blätter enthalten weder Kalorien noch Zucker. Der Verzehr der Blätter kann zu einer Regulierung des Blutzuckerspiegels beitragen, Stevia kann zur Remineralisierung der Zähne beitragen, und so bereits bestehenden Kariesbefall wieder rückgängig machen und vor neuem Befall schützen.  Forscher befassen sich nun auch mit der möglicherweise positiven Wirkung von Stevia-Blättern auf den Blutdruck und das Herz-Kreislauf-System. Doch die Blätter der Steviapflanze sind noch nicht zugelassen. Es ist lediglich ein Süßstoff aus Steviolglykosiden, der seit Dezember 2011 in Verkehr gebracht werden kann.

Süße ohne Kalorien! Natürlich und gesund!

Die jetzt zugelassenen Steviolglykoside werden durch ein Extraktionsverfahren gewonnen. Das muss man wissen: Zugelassen wurde Stevia in Form der Steviolglykoside lediglich als Süßstoff. Die Verwendung der süßen Stevia-Blätter fällt in Deutschland immer noch unter die „Novel Food-Verordnung“. Daher sind reine Stevia-Blätter in Deutschland noch nicht als Lebensmittel zugelassen. Die gesetzlichen Vorgaben zu umgehen und Stevia als Badezusatz oder Zahnpflegeprodukte getarnt zu kaufen, birgt das Risiko von Verunreinigungen und Qualitätsmängel in sich. Es ist durchaus sinnvoll, nur auf die hohen Qualitätsstandards des zertifizierten Stevia-Süßstoffs zurück zu greifen.

Der Kampf um die Zulassung

Die äußerst positiven Eigenschaften von Stevia beschäftigen seit Jahren die Experten. Besonders die deutschen Stevia-Experten der Universität Hohenheim kämpfen für die Zulassung von Stevia als Lebensmittel.

Insbesondere eine zweifelhafte Studie, die von Monsanto – einst Hersteller des Süßstoffes Aspartam – finanziert wurde, soll dafür verantwortlich gewesen sein, die Unbedenklichkeit von Stevia in Frage zu stellen. In einem Versuch mit Ratten soll bei einer völlig unrealistischen Überdosis extrahierter Stevia-Süßstoffe DNA-Veränderungen festgestellt worden sein. Der Verdacht, dass hier industrielle Interessen im Spiel waren, ist naheliegend und wird von vielen Vertretern der Naturheilkunde mit Vehemenz vertreten.

Besonnenheit und Objektivität sind erstrebenswert

Auch wenn möglicherweise berechtigte Kritik über die Ablehnung von Stevia durch die deutschen und europäischen Gesundheitsbehörden laut wird, kann es jedoch keine Frage sein, dass ein Pflanzenstoff, der so umfassend in die Ernährung hineinwirkt, toxikologisch untersucht werden muss, um eine 100-prozentige Unbedenklichkeit zu  gewährleisten. Dafür ist eine Zulassung erforderlich, die garantiert, dass der Verbraucher ein Produkt erhält, das gesundheitlich unbedenklich ist – selbst bei lebenslangem Konsum.

Wie die Vorteile des Pflanzenstoffes gegenüber dem reinen Süßstoff zu bewerten sind, ist nach Expertenmeinung noch nicht ausreichend untersucht. Daher fordert auch der Stevia-Experte Dr. Udo Kienle, dass auch Forschungen zur Zulassung der Stevia Pflanze angestellt werden müssen, um den vollen Gesundheitseffekt von Stevia der Bevölkerung zugänglich machen zu können.

Leider jedoch ist die Zulassung eines Pflanzenstoffs mit komplexen Inhaltsstoffen, viel aufwendiger und langwieriger, als die Zulassung eines hochreinen Süßstoffs, wie das jetzt zugelassene Steviolglykoside.

Wer finanziert also die Zulassung von Stevia als Lebensmittel?

Die bisher zugelassene Höchstmenge setzt leider der Verwendung von Stevia enge Grenzen: “Vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht reichen nicht aus, um eine Limonade ausschließlich mit Stevia zu süßen”, meint Udo Kienle, Agrarwissenschaftler der Universität Hohenheim, der seit fast 30 Jahren an Stevia forscht.

Eine bessere Alternative zu Zucker ist der Stevia-Süßstoff allemal. Daher können besonders Diabetiker, Allergiker, Eltern von besonders hyperaktiven Kindern und alle, die eine gesunde  Gewichtskontrolle verfolgen, endlich wenigstens auf den kontrollierten Stevia-Süßstoff zurückgreifen.

Ein Gesundheitssystem braucht gesunde Nahrungsmittel

Zum Schluss stellt sich die Frage, ob eine Gesellschaft, die mit der Vielzahl von Zivilisationserkrankungen beinahe überfordert ist, nicht ein eigenes großes Interesse an diesem gesunden Pflanzenstoff haben sollte.  Paradox mutet sich die Diskussion allemal an:  Denn die negativen Auswirkungen von Zucker auf die Gesundheit sind bekannt und werden seit langem als Mitursache vieler Erkrankungen, allen voran dem Diabetes, Karies und sogar der Hyperaktivität von Kindern, identifiziert. Trotzdem kommt Niemand auf die Idee, Zucker zu verbieten, bis es 100% als unbedenklich erklärt wird…… wie stünde es dann wohl um die Gesundheit der Menschheit?

So bleibt Stevia eine unendliche Geschichte! Sie endet also auch nach Zulassung des Stevia-Süßstoffs durch die deutschen Behörden lange noch nicht.

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